Sehnen


Häufig kommen Schützen zu uns in den Laden, die keine Vorstellung darüber haben, wie wichtig perfektes Sehnenmaterial für ein gutes Schießergebnis ist. Dabei ist ein hochwertiger Bogen mit einer schlechten Sehne genauso viel wert, wie ein Formel 1 Auto mit Holzräder. Aus diesem Grund wende ich mich hier mal Sehnen Knowhow zu.

Das sollte man über Sehnen wissen: 

  1. Je leichter die Sehne ist, umso schneller ist sie, was für das Schießen auf unbekannte Entfernungen Schätzfehler ausgleichen kann.
    D.h., dass dicke Sehnen, übermäßiger Gebrauch von Sehnenwachs, Messingnockpunkte, Sehnengeräuschdämpfer, Metallloops, usw. die Sehne unnötig abbremsen. Ich wickle meine Nockpunkte mit dünnen Faden, wachse meine Sehne nie (tausche sie aus, wenn sie brüchig wird) und habe keine Geräuschdämpfer. Allerdings ist eine solche Sehne auch fehleranfälliger.

  2. Es gibt Sehnenmaterial, das sich fast nicht mehr streckt und Material, das sich bei jedem Schuß dehnt
    Im Prinzip kann man drei unterschiedliche Materialien unterscheiden:

    Dacron:
    Dehnt sich bei jedem Schuß und ist deswegen für alte Jagdrecurves und Longbows gut, die das abrupte Abstoppen der Sehne nicht verkraften (Im Fachjargon „Stress“ genannt; kann man sich vorstellen wie Bungeejumping mit Stahlseil). Dacron ist deshalb aber mit Abstand das langsamste Sehnenmaterial.

    Dyneema/Spectra:
    Dyneema ist das schnellste Material auf dem Markt. Leider neigt es zum „Kriechen“ (neudeutsch „creep“). Das bedeutet, dass sich das Material durch die Benutzung nach und nach längt. Schützen, die dieses Garn verwenden, müssen dementsprechend ihre Standhöhe häufiger kontrollieren und ggf. die Sehne eindrehen, um konstante Bogenperformance zu erhalten. Gängig für alle moderne Bögen.

    Vectran:
    Vectran ist etwas langsamer als Dyneema/Spectra, hat aber den großen Vorteil, dass es nahezu keinen Creep hat. Vectran wird gerne bei Compounds eingesetzt, da das Peep nicht ständig durch das Längen der Sehne rotiert. Auch bei den Sportrecurves finden sich Schützen, die Vectran bevorzugen.

    Viele Sehnen, abgesehen von Dacron, sind oft Mischungen aus Dyneema und Vectran, um die Vorteile von beiden Garnen nutzen zu können. Wenn man bedenkt, dass unterschiedliche Olympiasieger und Weltmeister mit unterschiedlichen Sehnenmaterialien zum Erfolg kamen, kann man davon ausgehen, dass der Glaube an das richtige Material mehr Berge versetzt, als das Material wirklich leistet.

  3. Es gibt auf dem Markt unterschiedlich dickes Sehnen- und Wickelgarn.
    Ich bekomme hin und wieder Bögen in die Werkstatt, bei denen die Mittelwicklung mit Kleber oder mit Nähzwirn, falls der Nock zu leicht einnockt, aufgestockt wird, aber auch mit Mittelwicklungen, die für den Nock viel zu dick sind. Dabei lassen sich mit einem dünneren oder dickeren Wickelgarn meist alle Probleme lösen, ohne das man den Nock wechseln muß. Meistens ist die Dicke auf der Garnrolle in tausendstel Zoll angeben. Das fängt bei 0.014“ an und geht bis 0,026“.

  4. Die meisten Sehnen, die bei neuen Bögen im Lieferumfang dabei sind, darf man getrost dem Mülleimer überantworten.
    Viele Hersteller (vor allen Großindustrielle) neigen dazu Sicherheit über Schiessbarkeit zu stellen. Aus diesem Grund werden viele Bögen (dies trifft hauptsächlich auf Compoundbögen und billige Jagdrecurves zu) mit Schiffstaue statt mit Sehnen ausgeliefert, weil Schiffstaue haltbarer sind als Sehnen. Also wenn du einen guten Händler deines Vertrauen hast oder einen patenten Vereinskollegen, dann laß dir eine gute Sehne wickeln (Die Sehne sollte dem Händler nicht angelastet werden, da er nichts dafür kann!!). Prinzipiell ist es aber am besten, man erlernt es selber.

  5. Nicht jedes Wickelgarn harmoniert mit jedem Sehnengarn
    Es gibt Garne, die sind extrem rutschig. Wenn man nun ein rutschiges Sehnengarn und ein rutschiges Wickelgarn miteinander verwendet, zieht sich die Wicklung auseinander und der Nockpunkt fängt an zu wandern.