Bögen - Welche Bögen gibt es?

Holzbogen / Primitiv Bogen:

Holzbogen / Primitiv Bogen:

Ursprünglichste Form des Bogenschießens. Wie der Name schon sagt, besteht der Holzbogen lediglich aus Holz ohne Verwendung von modernen Kompositmaterialien. Im Vergleich zu den modernen Bögen ist die Effizienz eines Holzbogens eher gering. Außerdem zeichnet sich diese Bogenart durch Handschock und geringere Präzision aus.


Der reine Holzbogen ist somit etwas für absolute Liebhaber des puristischen und traditionellen Bogenschießens oder für Bogenschützen, die sich zum Ziel gesetzt haben, mit minimaler Ausrüstung das Bestmögliche herauszuholen.

Holzbögen werden normalerweise nicht im großen Stil verkauft, sondern als Einzelstücke von Bogenbauern gefertigt. Doch Vorsicht: Die Qualität der Bogenbauer variiert extrem. Es gibt nicht wenige, die sich mit wenig Knowhow selbstständig machen und auf den Markt drängen. Wenn Du an einem guten Holzbogen interessiert bist, leiten wir dich gerne an erfahrene Bogenbauer weiter. Bei einem Preis von 350 Euro aufwärts ist der Holzbogen jedoch als Anfängerbogen sicher nicht geeignet.

Bildquelle: Konrad Vögele, einer der besten Holzbogenbauer (www.holzbogenbau.de


Moderner“ Langbogen:

Der moderne Langbogen ist die moderne Variante des reinen Holzbogens. Dieser Bogen ist meist aus mehreren Holzlaminatstreifen schichtverleimt und an der Wurfarmoberfläche mit einem dünnen Fiberglasbelag versehen. Dieser Fiberglasbelag sorgt dafür, dass die Kraft des Bogens immer konstant ist und das auch im Auszug (hält man einen Holzbogen längere Zeit gezogen, verliert er Kraft, weil die Holzfasern nachgeben – sieht man auch daran, dass der Holzbogen, wenn man die Sehne abnimmt, weiterhin gebogen bleibt – das geschieht beim glasbelegten Langbogen nicht). Das ist die gute Nachricht. Allerdings neigt auch der moderne Langbogen zu Handschock. Insgesamt lässt sich jedoch sagen, dass sich der moderne Langbogen alles in allem einfacher schießen lässt. Einsteigerlangbögen gibt es ab etwa 140 Euro. Auf Grund des hohen Mindestzuggewichts ist der Langbogen nur bedingt für den Einstieg geeignet.

P.S. Japanischer Langbogen:

Wer mit ZEN Bogenschießen beginnen will, der benötigt den klassischen asymmetrischen japanischen Langbogen. Diese meditative Art des Bogenschießens ist jedoch so speziell, dass ich Dich leider an entsprechende Vereine verweisen muss.


Jagdrecurve

Wer ein bisschen mehr Schießkomfort möchte (im Vergleich zu Lang- und Holzbogen), aber auf den traditionellen Holzoptiktouch nicht verzichten will, der sollte sich die Jagdrecurves näher anschauen. Durch die Recurvebauweise (der Wurfarm ist schon vorgebogen) speichert der Bogen mehr Energie, gibt diese schneller wieder ab und lässt sich vergleichsweise angenehm ziehen. Wie der Name Jagdrecurve jedoch schon sagt, ist dieser Bogen für die Jagd entwickelt worden. Das heißt, dass dieser Bogen in der Lage ist, schwere Pfeile mit viel Energie tief in Tiere reinzuschießen (in Deutschland übrigens gesetzlich verboten). In punkto Präzision muss man allerdings Abstriche machen. Für denjenigen, der Präzision, Effizienz und Schießkomfort bevorzugt, bietet sich der Sportrecurve an. Jagdrecurves gibt es ab etwa 130 Euro. Auf Grund des hohen Mindestzuggewichts, ist der Jagdrecurve nur bedingt für den Einstieg geeignet.

P.S. Reiterbogen:

Eine spezielle Art des Jagdrecurves stellt der Reiterbogen da. Durch seine kurze Geometrie lässt sich der Reiterbogen extrem schwierig schießen. Einen Reiterbogen sollte man nur in Erwägung ziehen, wenn man wirklich vor hat, vom Pferderücken zu schießen.


Sportrecurve

Ob mit oder ohne Visier unserer Meinung nach die beste und kostengünstigste Alternative, um mit Bogenschießen anzufangen. Von der Form her zwar gleich wie der Jagdrecurve, bieten Sportrecurves jedoch alles, was das Herz begehrt (abgesehen mal von Compound): Hohe Präzision, hohen Schießkomfort, eine effiziente Energienutzung und vor allen Dingen eine hohe Bandbreite an unterschiedlichen Zuggewichten, so dass es für jedes Alter und für jeden Fitnessstand ein passendes Zuggewicht gibt. Sportrecurves sind immer zerlegbar, Einsteigermodelle werden zusammengeschraubt, die besseren Modelle bedienen sich einer Schnellsteckverbindung. Holz wird lediglich bei den günstigen Bögen verwendet. Bei den guten Bögen besteht das Mittelteil aus gefrästem Aluminium, die Wurfarme haben einen Schaumstoffkern mit mehreren Lagen Carbon, um die Steifigkeit zu erhöhen. Einfache Recurves fangen etwa bei 80 Euro an.


Compound

Die Erfindung des Compoundbogens Ende der 60er stellte eine revolutionäre Weiterentwicklung des klassischen Bogens dar. Die an den Enden der Wurfarme montierten Rollen sorgten dafür, dass nur noch ein Bruchteil des tatsächlichen Zuggewichtes im Vollauszug gehalten werden musste und die Energie viel schneller abgegeben werden konnte. Die schnellste und präziseste Bogenart war geboren.

In den letzten 40 Jahren hat sich die Technik immer mehr verfeinert, so dass es heutzutage schon Compounds mit 90% Zugreduzierung und Geschwindigkeiten mit über 400 Fuß/Sekunde (etwa 440 km/h) gibt.

Wer mit einem Compound anfangen will, hat einen großen Vorteil. Das Zuggewicht lässt sich in einem Bereich von 10 bis 15 Pfund problemlos ändern, indem man die Wurfarme weiter rein- oder rausschraubt. So kann der Bogen „mitwachsen“.

Der Compound wird meist mit Visier, Peepsight und Release (mechanische Ablasshilfe) geschossen. Wer dennoch mit den Fingern schießen will, sollte ein möglichst langes Modell (mehr als 40 Zoll Bogenlänge) nehmen, um die Finger bei dem spitzen Sehnenwinkel noch sauber aufzubekommen. Die langen Bogen sind jedoch in der Anschaffung recht teuer. Auch die Einsteigerbögen fangen nicht unter 300 Euro an (wir gehen davon aus, dass man etwas kaufen will, was funktioniert; billiger und schlechter gibt es z.B. bei ebay...). Wenn man dann noch Visier, Release, Pfeilauflage usw. rechnet, ist man schnell bei 500 Euro.

Wie oben besprochen bringt die Technik unübersehbare Vorteile gegenüber dem althergebrachten Bogen. Allerdings kann sich die Technik bei nicht versierten Bogenschützen auch nachteilig präsentieren. Reparaturen und Grundeinstellungen können oftmals nur im Fachhandel vorgenommen werden, die Technik ist an für sich anfällig und das Potential eines Compounds kann wirklich nur von Schützen komplett ausgenutzt werden, die das nötige Schrauberknowhow nebst Werkstatt haben. Dementsprechend empfehlen wir Einsteigern, die mit dem Compound anfangen wollen, sich an einen Fachhändler ihres Vertrauens zu wenden, den man auch persönlich aufsuchen kann.


Mit welchem Bogen fange ich am besten an?

Unserer Ansicht nach startet man am besten mit einem günstigen Sportrecurve, da dieser die größte Bandbreite an Zuggewichten und Bogenlängen bietet. Wer technisch nicht unbegabt ist, kann sich auch auf einen Compound einlassen (wie bereits erwähnt, ist es da aber vorteilhaft, wenn man ein Fachgeschäft oder einen Verein als Ansprechpartner in der Nähe hat, falls die Technik versagt...).

Bevor man sich einen Bogen kauft, ist es sinnvoll, sich darüber Gedanken zu machen erst einmal einen Bogen zu mieten. Wir vermieten Sportrecurves, Jagdrecurves, Langbögen und Compounds halbjahresweise. Dies bietet folgende Vorteile: zum einen kann man erst mal ausprobieren, ob einem  das Hobby tatsächlich Spaß macht, bevor man sich in größere Unkosten stürzt, zum anderen kann man das Zuggewicht anpassen. Besonders als Einsteiger fehlt es an den für den Bogensport wichtigen Muskelgruppen in Rücken und Schultern, so dass ein gekaufter Bogen schon nach kurzer Zeit zu leicht sein kann, da ja die Kraft mit zunehmenden Training steigt.


Welche Bogenlänge ist geeignet?

Grundsätzliches (mit Ausnahme des Compounds)

  1. Umso länger der Bogen ist, desto weicher lässt er sich ziehen, da ein längerer Hebel wirkt. Allerdings speichert der längere Bogen weniger Energie, da die Wurfarme weniger gebogen werden.

  2. Umso kürzer der Bogen ist, desto höher ist die Bruchgefahr, da der kurze Wurfarm nun irgendwann mal bricht, wenn man den Bogen überspannt.

  3. Umso kürzer der Bogen ist, desto eher neigt er zum „stacking“. Das bedeutet, dass die Kraft erst mal einigermaßen direkt proportional ansteigt und dann plötzlich exponential in die Höhe schießt. Das fühlt sich dann an, als wenn man an einer Stahlstange zieht. Da biegt sich auch nichts mehr.

  4. Sehnenlänge ist nicht gleich Bogenlänge. Die Sehnenlänge ist kürzer als die Bogenlänge!

Langbogen/
Holzbogen/Jagdrecurve

Unter 27“ Auszugslänge sollte man einen kurzen Bogen (unter 64 Zoll Bogenlänge bei Langbögen, unter 60“ bei Jagdrecurve) wählen, da die Wurfarme weniger gebogen werden und dadurch weniger Energie in den Wurfarmen gespeichert wird. Zwischen 27 und 29“ kann man eigentlich alle Modelle schießen. Über 29“ sollte man schon ein längeres Modell wählen (mehr als 68“ Bogenlänge). Bei über 30“ Auszug sollte man auf Grund der erhöhten Bruchgefahr keinen Langbogen nehmen oder sich von einem guten Bogenbauer ein Modell für lange Auszüge fertigen lassen, was allerdings sehr teuer ist.

Sportrecurve:

  • Kinder bis 6 Jahre: 48“

  • Kinder von 6 bis 8 Jahre: 54“

  • Kinder von 9 bis 12 Jahre: 58“

Die Bogenlängen beziehen sich auf „normal große Kinder“. Sollte dein Sprössling für sein Alter schon recht groß oder recht klein sein, sollte man die Bogenlänge entsprechend korrigieren. Bei großen 12 jährigen empfiehlt es sich schon ein kleines Erwachsenenmodell (z.B. 64“)zu nehmen, da diese sonst schnell aus dem Kinderbogen herauswachsen.

  • Erwachsene unter 1,70 Meter: 64“ oder 66“

  • Erwachsene zwischen 1,70 und 1,80 Meter: 66“ oder 68“

  • Erwachsene zwischen 1,75 und 1,90 Meter: 68 oder 70“

  • Erwachsene ab 1,90 Meter: 70“ oder mehr

Von dem Einsteigermodell Take Down haben wir alle Längen außer 66“ lagernd. 66“ können wir auf Anfrage bestellen und dauert in der Regel etwa 10 Tage.

Compound

In den letzten Jahren sind die Compounds immer kürzer geworden, zum einen, weil viele Modelle für die Jagd konzipiert wurden und lange Bögen sind auf dem Ansitz eher störend und zum anderen sind kurze Bögen billiger in der Fertigung. Nährungsweise lässt sich jedoch folgendes festhalten:

Bögen unter 32“ sollten nur zur Jagd verwendet werden.

Bögen zwischen 32 und 37“ sind gut für 3D und Feldschießen, da kurze Bögen meist schnell sind und Schätzungsfehler bei unbekannten Scheibenentfernungen eher ausgleichen.

Bögen ab 36“ sind gut zum Sportschießen, da längere Bögen fehlerverzeihender sind.

Für Fingerschützen sollte man nicht unter 40“ gehen. Dies gilt auch für Releaseschützen mit einem Auszug von über 30“.

Viele Compounds lassen sich in der Auszugslänge um ein paar Zoll rauf und runter verstellen, was besonders für Jugendliche und Einsteiger von Vorteil sein kann. Außerdem lässt sich der Bogen einfacher wieder verkaufen. Räder, die keine Auszugsverstellung haben, sind nur für Leute geeignet, die ihre exakte Auszugslänge wissen.

Bei den Compoundbogen gibt es übrigens zwei Sorten: den One Cam und den Twin Cam Bogen.

Der One Cam Bogen hat auf der einen Seite ein elliptisches auf der anderen Seite ein rundes Rad. Diese Bögen schießen in der Regel ruhiger, sind aber etwas langsamer als ein Twin Cam. Der Vorteil eines One Cam Bogen besteht auch darin, dass man die Räder nicht Synchronisieren muß.


Wie finde ich die korrekte Auszugslänge?

Bei Lang- und Recurvebogen ist das ziemlich leicht. Man zieht den Bogen in seinen Ankerpunkt (Haltepunkt im Gesicht) und misst den Abstand zwischen Sehne und Vorderkante Bogen. Eigentlich wäre es cleverer gewesen, die Auszugslänge bis in den tiefsten Punkt des Griffes zu messen, den das wäre die wahre Auszugslänge, aber die amerikanischen Bogenhersteller haben sich leider auf die Vorderkante geeinigt und jetzt misst die ganze Welt bis zur Vorderkante.

Beim Compound ist dieses Maß identisch, aber schwieriger zu ermitteln, da der Compound einen Auszugsstopp hat d.h., dass die Auszugslänge genau eingestellt werden muss. Im Gegensatz zu den anderen Bögen sollte beim Compound der Haltearm etwas angewinkelt sein, um einen optimalen Schießstil zu bekommen (außerdem kann es ganz schön schmerzhaft werden, wenn die Sehne am gestreckten Arm entlang pfeift...). Als Einsteiger sollte man sich auf jeden Fall jemanden suchen, der den Bogen passend einstellen kann!


Welches Zuggewicht ist passend?

Ein paar mal habe ich mir in unsrem Laden schon den Spaß erlaubt, einem seine Fähigkeiten überschätzenden Kunden, trotz seiner Bitte einen 50 Pfund und mehr Bogen für ihn zum Probe schießen aufzuspannen, heimlich einen 35 Pfund Bogen in die Hand zu drücken. Bisher lag ich mit meiner Einschätzung nie daneben und diese Kunden konnten nicht mal mit den 35 Pfund Bogen das Zittern verbergen. Das Staunen war groß, als ich mit der Wahrheit rausrückte!

Zwar ist es richtig, dass mit mehr Zuggewicht die Energie im Wurfarm zunimmt, aber man vergisst auch gerne, dass man mit zunehmender Energie auch schwerere Pfeile braucht. Dementsprechend nimmt die Pfeilgeschwindigkeit nicht in dem Maße zu, wie man annehmen sollte. Dafür nimmt jedoch die Durchschlagskraft zu. Wer also einen Pfeil schießen will, der ähnlich schnell ist, wie ein Pfeil, bei dem man sich weniger anstrengen müsste und dann den Pfeil noch schwer aus der Scheibe wieder herausbekommt, der soll sich mit hohem Zuggewicht abmühen (außer Du willst auf die Bogenjagd, dann bist Du mit mehr besser bedient).

Der schlaue Schütze nimmt weniger Zuggewicht und einen dementsprechenden leichteren Pfeil, um eine gestrecktere Flugbahn zu bekommen. Das Zuggewicht sollte so gewählt sein, dass ich nach hundert Schuß den Bogen immer noch entspannt ausziehen kann. Nur so ist gewährleistet, dass sich keine falsche Körperhaltung und schlechter Schießstil angewöhnt wird. Weniger ist beim Zuggewicht einfach mehr!

So empfehlen wir für Einsteiger:

  • Kinder bis 6 Jahre: max. 14 Pfund

  • Kinder von 6 bis 8 Jahre: 12 – 16 Pfund

  • Kinder von 9 bis 12 Jahre: 14-18 Pfund

Frauen meistens nicht mehr als 20 Pfund

Jugendliche je nach Sportlichkeit zwischen 16 und 25 Pfund

Herren je nach Sportlichkeit zwischen 18 und 26 Pfund

Für Compound das Zuggewicht einfach verdoppeln. Dann hat man das Maximalzuggewicht, z.B. Frauen maximal 40 Pfund.


Rechtshand oder Linkshand:

Rechtshand bedeutet: Mit rechts die Sehne ziehen, mit links den Bogen halten.

Linkshand geht genau andersherum.

Besonders beim instinktiven Schießen, aber auch bei allen anderen Schießmethoden, ist die Bestimmung des stärkeren Auges entscheidend für ein gutes Trefferergebnis. Nur wenn die Blickrichtung und die Pfeilrichtung identisch sind, kann ich das Ziel instinktiv treffen. Die folgende Draufsicht soll das verdeutlichen:

Wenn es gar nicht anders geht (z.B. fehlende Kraft), dann sollte man so schießen, wie es am angenehmsten ist. Allerdings kann man dann (wahrscheinlich) nur erfolgreich sein, wenn man beim Schießen über den Pfeil schaut und so die Richtung zum Ziel bestimmt. Das volle Potential – da sind sich die Fachleute einig – wird man so nie abrufen können.


Welche Qualitätsmerkmale unterscheiden einen guten von einem schlechten Bogen?

 

Holzbogen:

Bei Holzbogen fällt den meisten Laien Eibe ein. Eibe ist gut und schön und vor allen Dingen schnell, aber leider bricht Eibenholz gerne unvorhersehbar und plötzlich. Nun hatte man im Mittelalter in Europa wenig Auswahl und da war Eibe schon das bevorzugte Holz. Heutzutage wird häufig Osage (amerikanisches Holz) genommen. Es ist schnell, haltbar und gut zu verarbeiten. Prinzipiell ist es immer gut, wenn die Wurfarme möglichst schlank sind und die Enden noch dünner. Dies macht den Wurfarm schnell und vibriert nicht so stark.

Moderner Langbogen:

Für den modernen Langbogen gilt ähnliches wie für den Holzbogen. Umso leichter die Wurfarme sind, desto besser. Da diese Bögen schichtverleimt sind, ist es vorteilhaft, wenn schwere Hölzer in das Mittelteil verarbeitet sind. Leider gibt es keinen Langbogen, der keinen Handschock hat. Je nach Qualität und Preis kann das mehr oder weniger sein. Da hilft nur eins: Ausprobieren.

Es ist natürlich empfehlenswert, den Bogen wegen der Griffform auch mal in der Hand zu halten.

Jagdrecurve:
Umso leichter die Wurfarme sind, desto besser. Da diese Bögen schichtverleimt sind, ist es vorteilhaft, wenn schwere Hölzer in das Mittelteil verarbeitet sind. Besonders im Jagdrecurvebereich gibt es gravierende Qualitätsunterschiede. Konnte man z.B. früher uneingeschränkt Produkte der Firma Samick empfehlen, so muß man nachdem sie jetzt von Korea nach China umgezogen sind, Abstriche in der Qualität machen. Was man noch mit gutem Gewissen empfehlen kann sind amerikanische Produkte wie Martin und Bear, auch wenn sie sicher teurer sind als die Chinaimporte.

Es ist natürlich empfehlenswert, den Bogen wegen der Griffform mal in der Hand zu halten.

Jagdrecurves gibt es in einteiliger Form (One Piece) oder zerlegbar (Take Down). Zerlegbare haben natürlich den Vorteil, dass man sie klein verpacken und bei Bedarf stärkere Wurfarme nachkaufen kann. Allerdings sind die billigen Take Down Bögen oft schlecht an der Wurfarmaufnahme verarbeitet, so dass die Wurfarme nicht gerade zueinander stehen.


Sportrecurve:
Das Mittelteil sollte am besten aus CNC gefrästem Aluminium sein. Das hält länger als Magnesiumdruckguss und lässt sich sauberer verarbeiten.

Als nächstes sollte man auf den Griff achten. Unterschiedliche Hersteller bieten unterschiedliche Griffe an, die einem zusagen oder auch nicht. Da hilft nur in die Hand nehmen.

Bei den Wurfarmen gibt es drei unterschiedliche Klassifizierungen:

  1. Wurfarm mit Holzkern: Das ist die billigste Version. Hat einen geringen Wirkungsgrad, vibriert und ist nicht so präzise.

  2. Wurfarm mit Holzkern und Karboneinlage: Ähnlich wie das vorhergehende Modell, allerdings präziser mit höherem Wirkungsgrad.

  3. Wurfarm mit Schaumkern und Karboneinlage(n): Das Nonplusultra. Durch den Schaumstoffkern wird der Wurfarm verhältnismäßig leicht, so dass die Massenträgheit eine kleinere Rolle spielt. Dadurch hat dieser Wurfarm einen hohen Wirkungsgrad, ist nahezu ohne spürbare Vibrationen und dazu noch präzise. Kostet natürlich auch am meisten. Ist es aber wert.


Blankschützen sollten auf ein hohes Eigengewicht des Mittelteils achten. Dieses schluckt mehr Restenergie (weniger Vibrationen) und kann nicht so leicht verrissen werden.

Compound:

Wie beim Sportrecurve bestehen die billigen Mittelteile aus Magnesium Druckguss, die teueren aus CNC gefrästem Aluminium.

Parallele Wurfarme geben die Restenergie nach oben und unten ab, gerade oder Recurve- Wurfarme nach vorn, was zu mehr Vibrationen führt.

Rollen, die eine große Bandbreite an Auszugslängeneinstellungen aufweisen, lassen sich besser wieder verkaufen. Rollen sind aus Aluminium und nicht aus Plastik.

Einen One Cam Bogen muß man nicht synchronisieren, was es für den Einsteiger schon einfacher macht.


Pflege:

Spannen des Bogens:

Der größte Fehler, der bei Lang- und Recurvebogen begangen wird, ist das falsche Aufspannen des Bogens. Wer den Bogen über das Bein spannt, wird statt eines Bogenwurfarms irgendwann einen Korkenzieher haben, da sich der Wurfarm verdreht hat. Bei den meisten Bögen ist diese Verdrehung irreparabel. Deshalb immer eine Spannschnur oder einen Spannriemen zum Spannen nehmen.

Leerschuß:

Die Sehne ohne aufgelegten Pfeil loszulassen ist auch keine gute Idee. Besonders beim Compound entsteht in 95% aller Fälle ein Schaden. Es ist einfach so, dass die gespeicherte Energie, die im Bogen steckt, beim Lösen der Sehne irgendwohin muss. Wenn ein Pfeil aufgelegt ist, überträgt sich die Energie zu einem Großteil auf diesen und beschleunigt den Pfeil. Ohne Pfeil jedoch entlädt sich die Energie destruktiv am Bogen selbst. Deswegen empfehlen wir auch zum Probeziehen immer einen Pfeil aufzulegen.

Wachsen und Ölen:

Die Sehne hält länger, wenn man sie ab und an einwachst. Schrauben bei Take Down Recurves und Lager und Achsen am Compound freuen sich hin und wieder über einen Tropfen Öl.

Was bedeuten die Daten auf dem unteren Wurfarm?

Bei Langbogen und Jagdrecurve findet man die einfachsten Beschriftungen, z.B. 50# @ 28“ und 68“. Dies bedeutet, dass der Bogen bei 28 Zoll (an der Vorderkante gemessen; vgl. „Wie finde ich die korrekte Auszugslänge?“) Auszug 50 Pfund Zuggewicht hat. Die 68“ bedeuten, dass der Bogen eine Länge von 68“ hat.

Beim Sportrecurve steht häufig so etwas:

64“ 20#

68“ 18#

Das heißt, dass es den Bogen in zwei unterschiedlichen Längen gibt, je nachdem, ob man ein kurzes Mittelteil mit 23 oder ein langes Mittelteil mit 25 Zoll verwendet. Auf Grund des längeren Hebels hat der lange Bogen weniger Zuggewicht.

Beim Compound ist das angegebene Zuggewicht (z.B. 50#) immer das Maximalzuggewicht, also mit voll eingeschraubten Wurfarmen. Manchmal werden auch noch die Sehnen- und Kabellänge angegeben. Übrigens befinden sich auf den Rollen und /oder Modulen die Bezeichnung über welche Auszugslänge diese Rolle verfügt.


Lexikon:

Cam:

Englische Bezeichnung für die elliptische Rolle beim Compound

Effektivität:

Siehe Wirkungsgrad

Handschock:

Entsteht, wenn sehr viel Restenergie im Bogen verbleibt, die sich auf den Schützen in Form von Vibrationen übertragen. Bei richtig schlechten Bögen, gibt es vom Schießen Kopfschmerzen...

Inch:

Amerikanisches Längenmaß auch mit Gänsefüßchen abgekürzt, z.B. 28“.

1 Inch entspricht 2,54cm

Mittelschnitt:

Als Mittelschnitt versteht man wie weit das Fenster in den Bogen hineingeschnitten ist. Der Mittelschnitt bei Holz-, Lang- und Jagdrecurvebogen reicht meist nicht bis in die Mitte. Der Mittelschnitt bei Sportrecurve und Comound reicht sogar bis über die Mitte.

Pfund / Pound:

Englisches Gewichtsmaß in dem das Zuggewicht angegeben wird, gerne abgekürzt durch das Rautezeichen #.

1 englisches Pfund entspricht 0,453 kg

Präzision:

Würde man einen unpräzisen Bogen und einen präzisen Bogen in eine Schießmaschine einspannen und beide Bögen würden auf 100 Meter schießen, dann wäre die Gruppierung der Pfeile beim präzisen Bogen enger als beim Unpräzisen.

Standhöhe:

Unter Standhöhe versteht man den Abstand zwischen Sehne und dem tiefsten Punkt im Griff. Je nachdem wie groß die Standhöhe ist, verändert sich die Vorspannung der Wurfarme und der Beschleunigungsweg. Für jeden Bogen gibt es in bezug auf seinen Schützen eine passende Standhöhe. Als Faustregel kann man sich merken, dass die Standhöhe am besten ist, wenn der Bogen am leisesten und vibrationsärmsten schießt.

Synchronisieren:

Muss man bei Twin Cam Compound Bogen machen, nachdem man neue Sehnen und Kabel eingeschossen hat, da sich das Material unterschiedlich längt, stehen die Cams nicht synchron. D.h., dass das eine Cam nach dem Release schneller ankommt als das andere. Dies läßt sich beheben, indem man die Kabel solange ein oder ausdreht, bis die Cams synchron sind.

Tiller:

Unter Tiller versteht man das Verhältnis von oberen zu unteren Wurfarm. Wenn der Tiller stimmt, sollten oberer und unterer Wurfarm gleichzeitig vorne ankommen. Da man üblicherweise die Sehne nicht in der symmetrischen Mitte greift, müssen die Wurfarme unterschiedlich eingestellt werden. Bei Sportrecurve und Compound lässt sich der Tiller mit Hilfe der Wurfarmschraube verstellen. Bei Jagdrecurve und Langbogen sind die Wurfarme dementsprechend gearbeitet.

Wirkungsgrad:

Umso mehr Energie aus den Wurfarmen in Pfeilgeschwindigkeit umgewandelt wird, desto höher ist der Wirkungsgrad.

Zoll:

Siehe inch